Historie
200 Jahre Göttigesellschaft Wohlen
«Chercher la femme» – dieser männliche Urtrieb war wohl mit einer der Beweggründe, welcher Ende des 18.Jahrhunderts ledige Männer zur Gründung der Fasnachtsgesellschaft von Wohlen veranlasste. Man überlegte sich, welche Aufgaben zur Fasnachtszeit wahrzunehmen seien, und fand eine ehrenhafte Tätigkeit. Nach der Methode «Zettel aus dem Hut» wurde jedem Mitglied eine jungfräuliche Dorfschöne als Schutzbefohlene zugelost. Wann immer er der Auserwählten während der närrischen Tage begegnete, hatte er für deren Zeche aufzukommen und für ihre sichere und weiterhin unbefleckte Rückkehr nachhause zu sorgen – für diese Zeit war er ihr «Götti». |
Wil; damit war der erste Göttiball lanciert. Die Mitgliedschaft in der Göttigesellschaft gehörte zum Werdegang der unverheirateten Söhne der Wohler Strohbaronen, Grossindustriellen und Bauern. |
Jungfräuliche Dorfschönheiten
im heiratsfähigen Alter am Aussterben!?
Im Wandel der Zeit änderte sich auch das Erscheinungsbild der Göttigesellschaft. Die Mitgliedschaft ist noch immer dem männlichen Geschlecht vorbehalten, aber «Mann» kann auch verheiratet, geschieden oder verwitwet sein. |
Guggenmusiken aus dem Freiamt beschliesst er alljährlich die fünfte Jahreszeit in Wohlen. Jedes zweite Jahr bauen sich die Götti einen Wagen, um am Wohler Fasnachtsumzug teilzunehmen. Dabei wird immer ein aktuelles Thema aufgegriffen und ordentlich darüber hergezogen, meist mit dem Ziel, die Zuschauer mit einem zwinkernden Auge auf politische oder moralische Verfehlungen der Obrigkeit hinzuweisen. Um die Botschaft zu untermauern, werden dazu immer geistige Getränke unter das Volk verteilt. |
Überbrückung der fasnachtslosen Zeit
Auch ausserhalb der Fasnachtszeit sind die Götti nicht untätig. Jedoch geht es während des Vereinsjahres gemächlicher zu und her. Am ersten Freitag jedes Monats trifft man sich zu einem zwanglosen Hock, in einem der zahlreichen Gasthöfe von Wohlen. Bei diesen Treffen wird über Gott und die Welt diskutiert, ein Jass geklopft oder einfach eins getrunken – ganz nach Laune |
der Anwesenden. Auch ein Grillplausch im Wald, Gokartfahrten oder Weindegustationen gehören zum jährlichen Vereinsprogramm. Alle Jahre im Juni geht die Mannentruppe dann auf Reisen; wie zum Beispiel im Jubiläumsjahr für drei Tage ins Piemont. Im Mittelpunkt dieser Reisen stehen Kameradschaft, Unterhaltung und gutes Essen. Damit wird die freudlose Zeit bis zur nächsten Fasnacht möglichst schadlos überbrückt. |